"Hey Xellsbeer, ich habe mir mal dein Leben angeschaut. Letztes Jahr liefs richtig gut mit uns beiden. Ich habe letztes Jahr die meisten Beiträge hier geschrieben. Noch nie so viel über dich erzählt. Noch nie so oft an dich gedacht. Dich wohl noch nie so nötig gehabt, wie letztes Jahr?"
Ich kratze mich am Kinn. Gefühlt ging es mir doch im Jahr davor am schlechtesten. Wie kommt es?
"Da hast du noch gedacht du schaffst es alleine. Du brauchst niemand!" raunt mir der Xellsbeer ins Ohr.
"Ha ja genau - damals!" ich überlege was mich damals geritten hatte. Was mir das Leben doch für ein Bein gestellt hatte. Zuerst bin ich im Dreck liegen geblieben um dann direkt in den Himmel zu steigen und den Bodenkontakt zu verlieren. "Was für eine Achterbahn!"
"Und wer hats gerichtet?"
"DU! Xellsbeer. Du warst für mich da - unter anderem. Aber dein Anteil war nicht unbedeutend. Danke!" Ich umarme meinen Xellsbeer und drücke ihn mal ganz fest. Nicht daß ihm das viel ausmacht aber mir tut es gut. Wieder!
"Ich habe mir die Zahlen mal angeschaut und gesehen, daß hier letztes Jahr an einem Tag fast 500 Leute zu besuch waren. Das muß ja ein irrsinniges Gedränge gewesen sein. Wo hast du die denn alle untergebracht?"
Der Xellsbeer schaut mich ganz vorwurfsvoll an: "Ja das war echt nervig. Kaum hat man sich in seine Höhle zurück gezogen da tauchte schon wieder jemand auf. Zum Glück kamen die ja nicht alle auf einmal. Aber die Leute sind ja so neugierig. Ich habe sie zu Teil garnicht verstanden. Wo die überall herkamen. Und was die von mir wollten. Aber das Schlimmste war, daß sie mir alle hinterhergelaufen sind, egal wohin und wie schnell ich gelaufen bin. Das war ein Tag"
"Tja das ist die Kehrseite des Ruhms. Wenn man berühmt berüchtigt ist, wie du hat mein einfach keine ruhige Minute. Und 500 Leute sind im Internet ja noch nicht mal wirklich viel. Es gibt Blogs mit Millionen von Besuchern täglich. Das sind Zahlen!"
"Bleib mir bloß weg. Ich will garnicht berühmt sein. Ich bin doch eigentlich nur für dich da und nicht für die ganzen Leute da draußen. Nur gut, daß es da einen Ort gibt, wo ich meine Ruhe habe."
Ich schaue ihn verwundert an. "Wo ist der ?"
"In deinem Kopf! Da wo sich mein eigentliches Leben abspielt. Hier im Blog schreibst du ja nur über unsere Erlebnisse. Das ist eher wie die Theaterinszenierung unseres Lebens. Aber was wir in deinem Kopf erleben... Das ist unser wahres Leben. Da gehts richtig ab."
"Stimmt!" sage ich schmunzelnd. Und dann fällt mir ein was der Xellsbeer meint und denke an all die Dinge über die ich noch garnicht geschrieben habe....
"Weißt Du was?" fragt mich der Xellsbeer dann, "wenn ich mal ganz viel Langeweile habe mache ich auch so einen Blog und schreibe auf, was Du nicht aufschreiben wolltest. Das wird ein Spaß!"
Mir wird ganz heiß und kalt
"Ach ja?" Ich schaue mich unauffällig in seiner Höhle um. Nirgends ein Computer oder Handy. Nirgends eine WLAN Box. Ein wenig erleichtert wische ich mir den Angstschweiß aus der Stirn und atme tief aus. "Irgendwann... Aber eigentlich ist das Schreiben ja eher meins und nicht deins oder? Ist doch viel zu kompliziert.... Was gabs denn eigentlich zum Mittag?"
Meine List hat funktioniert. Er vergisst, was er vorhat und rührt in dem Topf über dem Feuer herum. "War lecker. Möchtest du gerne probieren?"
Klar! Alles ist besser als die Geschichten, die niemand zu wissen braucht.
Puh noch mal Glück gehabt.
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