Herzlichen Glückwunsch alter Freund!
Junger Xellsbeer! Du bist jetzt 17 Jahre alt geworden. Unglaublich wie die Zeit vergeht.
"Ja ja ... Aus Kinder werrad Laid" sagt die nette Tante als sie mit der Torte in der Hand zur Türe herein kommt, dem Xellsbeer Gratuliert und dabei fest in die Backe kneift. Ohne eine Antwort abzuwarten geht sie an allen vorbei und fängt an von ihren Gebrechen und Wehwechen zu erzählen. Auch wenn niemand wirklich zuhört schwatzt sie vor sich hin und genießt die Möglichkeit jemandem Ihr Leid zu klagen.
Der Xellsbeer hatte die Augen verdreht und brav "Schön dich zu sehen" gesagt. Als alle Gäste da sind sitzt er Pflichtschuldig an der Kaffeetafel und läßt all die guten Reden und Wünsche über sich ergehen. Er muß erzählen, was er so macht den ganzen Tag und was er vor hat mit seinem Leben. Jetzt wo er doch fast erwachsen ist. Wo der Ernst des Lebens quasi an die Türe klopft.
Und das tut er dann auch tatsächlich. Also nicht der Ernst des Lebens aber Ernst, der der zweite Mann meiner Tante mütterlicherseits bei dem die Geschenke eher klein aber sein Wissensschatz an Lebenserfahrung um so größer ist. Und die verteilt er natürlich großzügig in die Runde. Er hat für jeden den richtigen Rat und Beispiele, wie man es hätte besser machen können. Daß es bei Ihm, nach der gescheiterten Kariere als freier Handelsvertreter und mit zwei Exfrauen vielleicht auch nicht so gut läuft fällt dabei eher unter den Tisch. Man braucht einfach auch mal kreative Pausen, um Luft zu holen. Um Kraft zu sammeln und sich neue Ziele zu suchen. Ja und manchmal dauern diese Pausen einfach 6 Jahre. "Na und. Hauptsache wir sind glücklich!" sagt er mit überzeugendem Nachdruck und viel zu hoher Stimme, bevor er seiner Liebsten einen Kuss auf die Wange drückt ohne zu sehen, daß diese verschämt die Augen nieder geschlagen hat und eher den Eindruck macht, daß es ihr peinlich ist als daß sie dem überzeugt zustimmt.
Endlich ist der ganze Spuk vorbei und die Tanten und Omas sitzen zusammen und hächeln die Geschichten der Familien durch. Der Xellsbeer ist vor einiger Zeit verschwunden. Ich mache mich auf die Suche. Schließlich finde ich ihn hinterm Haus auf der Schaukel, tief in Gedanken versunken.
"Hey Alter Bär. Was machst Du denn hier so ganz alleine?" frage ich meinen Freund. Ich nehme auf der anderen Schaukel platz. Wie immer an seinem Geburtstag gehen mir die unterschiedlichsten Gedanken durch den Kopf. Wo ist nur die Zeit hin? Was haben wir alles in diesen 17 Jahren erlebt?
"Wir haben wirklich viel erlebt in der ganzen Zeit. Ich danke Dir von ganzem Herzen für deine Freundschaft. Du warst immer da, wenn ich Dich gebraucht habe. Wohin hast Du mich nicht überall begleitet. Was wäre ich nur ohne dich?"
"Ach was." wehrt er ab. "dafür bin ich doch da. Ich bin ja froh, daß ich DICH habe und nicht so einen Horst wie deinen Onkel Ernst, auf den ich aufpassen darf. Und schau mal was in den 17 Jahren aus Dir geworden ist. Ich bin stolz auf dich."
"Danke! Das habe ich mal gebraucht. Ich merke, daß ich das gerade mal wieder nicht über mich denke."
Ach was meint der Xellsbeer, steht auf und nimmt mich fest in den Arm. Ich spüre wie seine ganze Liebe auf mich einströmt und mich glücklich macht. Ich drücke fest zurück und will garnicht los lassen, so wohlig fühlt sich das an. Da löst er sich langsam auf und und verschmilzt mit mir. Ich fühle mich plötzlich bärenstark. Mein Gang ist aufrecht und ich brumme ein wenig vor mich hin. Ich gebe der Schaukel einen Schubbs, so daß sie sich fast überschlägt.
Aber nur fast.
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