Es ist kurz vor Ostern. Dieses Jahr habe ich die Weihnachtsdeko schon lange weg geräumt. Die Ostereier hängen an den Weidenasten, die Bäume haben heute das erste zarte Grün gezeigt. Es wird Frühling. Eine Zeit des Aufbruchs, der Kraft und Freude.
Und trotzdem liegt da was herum, das mich daran hindert mich der übermächtigen Gefühle wie Freude, Hoffnung und Glück bedingungslos hin zu geben. In rotes Papier eingewickelt, ein kleines Päckchen. Bis vor ungefähr 63 Tagen lag es noch im Wohnzimmer auf dem Boden, genauer gesagt unter dem Weihnachtsbaum. Aber wer zählt schon mit. Es hat irgendwann den Weg auf das Sidebord geschafft. Dort liegt es und wartet. Es wartet darauf, daß jemand kommt und es auspackt und sich freut, daß er seinen lange gehegten Traum nun in Händen hält. Das Spiel, daß er sich seit Monaten gewünscht hat. Um das er mich Tag für Tag angebettelt hatte, dafür so gar freiwillig sein Zimmer aufgeräumt hatte. Und trotzdem liegt es noch immer unausgepackt auf dem Schränkchen im Gang und wartet. Doch er kommt nicht. Und ich weiß nicht, wann wer jemals wieder kommt. Bestimmt hat er dann das Spiel schon längst gespielt. Sich wo anders darüber gefreut. Alleine die Abenteuer bestanden. Ohne mich sich darüber geärgert, daß etwas nicht so geklappt hat wie er gerne wollte. War jemand anderem dankbar, daß er ihm diesen großen Wunsch erfüllt hat.
Jeden Tag gehe ich an diesem Päckchen vorbei. Meine Tochter hat schon gefragt, ob sie es auspacken darf. Aber es ist sein Geschenk zu dem Weihnachten, an dem er nicht mehr kommen wollte. Ich hebe es für Ihn auf, für den Tag an dem er wiederkommt.
Nun sitze ich hier mit dem Päckchen in der Hand und Tränen in den Augen. Ich stelle mir vor, wie ich ihm zu seinem 18. Geburtstag oder zur Hochzeit ein rotes Päckchen überreiche, das vergilbt und ganz abgegriffen ist und ein Spiel enthält, daß niemand mehr kennt und auf keiner Konsole mehr läuft. Mit dem er nichts mehr anfangen kann. Und er wird es als Vorwurf empfinden, dabei will ich ihm nur meinen Schmerz zeigen, Zeigen wie lange ich ihn vermisse, daß ich jeden Tag hoffe endlich wieder sein Lachen hören zu dürfen und wieder ein Teil seines Leben werden zu können.
Ich weiß, daß er nicht ander konnte, Ich verstehe seine Entscheidung, auch wenn ich sie nicht mag, weil sie mir ein riesiges Loch ins Herz reist.
Ich hab dich lieb.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen